Was sind Reasoning-Modelle?

Die Einführung von Smartphones hat die Art und Weise, wie wir Technologie nutzen, grundlegend verändert. Telefonieren und SMS schreiben reichten plötzlich nicht mehr aus – ein Gerät musste mehr können: navigieren, Fotos in hoher Qualität aufnehmen, E-Mails verwalten. Aus einem simplen Tool wurde ein intelligenter Begleiter.

Genauso erleben wir heute einen Umbruch in der Welt der Künstlichen Intelligenz. Wo früher klassische GPT-Modelle gefragt waren, setzen sich zunehmend Reasoning-Modelle durch. Nicht weil sie grundsätzlich besser sind, sondern weil sie anders funktionieren und für bestimmte Aufgaben überlegen sind. Während GPT-Modelle auf direkte Befehle reagieren und einfache Anfragen schnell ausführen, denken Reasoning-Modelle aktiv mit, strukturieren komplexe Probleme und liefern durchdachte Antworten.

Doch wann ist es sinnvoll, ein Reasoning-Modell zu nutzen? Und wann reicht ein klassisches Sprachmodell vollkommen aus?

Wir haben dazu ein Video erstellt, in dem wir zeigen, wie ein Reasoning-Modell in Aktion aussieht. Dort führen wir konkrete Beispiele vor, in denen ein klassisches GPT-Modell nur oberflächliche Antworten liefert, während ein Reasoning-Modell viel tiefer geht und fundierte Entscheidungen trifft. Falls du sehen möchtest, was diese Modelle tatsächlich leisten können, schaue dir gerne dieses Video an:

Der Unterschied zwischen GPT- und Reasoning-Modellen

GPT-Modelle sind effizient, schnell und kostengünstig. Sie wurden entwickelt, um klar definierte Aufgaben direkt zu erledigen. Sie führen Befehle aus, fassen Texte zusammen oder beantworten Fragen zu gegebenen Inhalten – ohne langes Überlegen oder tiefere Analyse. Sie sind pragmatische Werkzeuge, die besonders dann nützlich sind, wenn es um alltägliche, wiederkehrende Arbeiten geht.

Reasoning-Modelle hingegen betrachten ein Problem ganzheitlich. Sie überlegen, welche Schritte zur besten Lösung führen, ziehen Rückschlüsse aus unklaren oder unvollständigen Informationen und treffen strategische Entscheidungen. Sie eignen sich für Situationen, in denen nicht sofort klar ist, wie eine Aufgabe am besten gelöst werden kann.

Ein klassisches GPT-Modell kann gut eine Liste mit möglichen Reisezielen basierend auf einer Anfrage erstellen. Ein Reasoning-Modell hingegen analysiert das Budget, die Reisezeit, persönliche Präferenzen und externe Faktoren wie das aktuelle Wetter oder politische Situationen, um den optimalen Urlaubsort vorzuschlagen.

Wann sind Reasoning-Modelle die bessere Wahl?

Ihr wahres Potenzial entfalten Reasoning-Modelle bei mehrstufigen, unklaren oder strategischen Aufgaben, bei denen nicht einfach eine Information reproduziert, sondern eine Lösung erarbeitet werden muss.

Besonders stark sind sie in folgenden Anwendungsbereichen:

1. Analyse und Entscheidungsfindung bei unklaren Aufgaben
Wenn eine Aufgabe nicht klar definiert ist und verschiedene Faktoren berücksichtigt werden müssen, sind Reasoning-Modelle besonders leistungsfähig. Während ein klassisches Sprachmodell bei vagen oder unvollständigen Informationen oft eine unpräzise oder zufällige Antwort liefert, versuchen Reasoning-Modelle, die Lücken logisch zu schliessen oder sinnvolle Rückfragen zu stellen.

Ein Unternehmen, das einen komplexen Finanzbericht auswerten muss, profitiert erheblich von einem solchen Modell. Es erkennt Muster, vergleicht historische Daten und identifiziert mögliche Risiken oder Chancen, ohne dass manuelle Prüfungen notwendig sind.

2. Verarbeitung grosser Datenmengen mit kritischer Selektion
Wenn tausende Seiten an Dokumenten nach relevanten Informationen durchsucht werden müssen, können Reasoning-Modelle gezielt das herausfiltern, was wirklich zählt. Statt einfach nur Text zu durchsuchen, erkennen sie Zusammenhänge und verstehen, welche Passagen für die Fragestellung von Bedeutung sind.

Bei einer Firmenübernahme kann ein Modell Verträge nach kritischen Klauseln durchforsten, versteckte Risiken aufdecken und eine fundierte Einschätzung der rechtlichen Ausgangslage liefern – eine Arbeit, für die ein Mensch Tage benötigen würde.

3. Die Fähigkeit, Muster und Zusammenhänge zu erkennen
Reasoning-Modelle sind nicht nur aufmerksam, sondern verstehen auch komplexe Beziehungen. Gerade in Bereichen wie Steuerrecht, Ingenieurwissenschaften oder medizinischer Forschung, wo Zusammenhänge zwischen mehreren Dokumenten oder Datensätzen entscheidend sind, liefern sie beeindruckende Ergebnisse.

Ein Steuerberater, der verschiedene gesetzliche Bestimmungen und individuelle Fälle miteinander abgleichen muss, kann durch ein Reasoning-Modell erhebliche Zeit sparen – und oft zu besseren Ergebnissen kommen, da das Modell auf unoffensichtliche Verknüpfungen stösst.

4. Multi-Step-Planung und Strategieentwicklung
Wenn eine Aufgabe in mehrere Schritte zerlegt werden muss, um effizient gelöst zu werden, erweisen sich Reasoning-Modelle als unverzichtbar. Sie strukturieren komplexe Abläufe und delegieren Teilaufgaben an andere Modelle oder Systeme.

Ein KI-gestütztes Planungssystem, das den gesamten Tagesablauf einer Führungskraft organisiert, nutzt diese Fähigkeiten. Es analysiert Kalendereinträge, priorisiert Aufgaben, erkennt Terminkonflikte und gibt Empfehlungen zur optimalen Tagesgestaltung.

Wann klassische GPT-Modelle ausreichen

Trotz der Fähigkeiten der neuen Modelle gibt es zahlreiche Szenarien, in denen ein klassisches GPT-Modell die bessere Wahl bleibt. Wenn es um rein faktische Abfragen, einfache Formulierungen oder die Wiederholung vorhandener Muster geht, sind sie schneller, kostengünstiger und effizienter.

Bei der generativen Texterstellung für Marketing, beim Beantworten einfacher Fragen oder bei der Bearbeitung sich wiederholender Routineaufgaben bleibt ein GPT-Modell meist die bessere Wahl. Ein Support-Chatbot, der automatisch FAQs beantwortet oder Standardformulare ausfüllt, benötigt kein Reasoning-Modell – hier würde die zusätzliche Logik eher zu unnötigem Rechenaufwand führen.

Der richtige Umgang mit Reasoning-Modellen

Da diese Modelle anders denken als klassische GPTs, erfordert die Interaktion mit ihnen eine angepasste Vorgehensweise. Die Art, wie Fragen gestellt und Anweisungen formuliert werden, hat grossen Einfluss auf die Qualität der Antworten.

1. Klare, direkte Aufgabenstellung
Reasoning-Modelle performen am besten, wenn sie präzise formulierte Fragen erhalten. Ein zu unklarer Prompt wie „Was bedeutet dieser Bericht?“ führt zu unstrukturierten Ergebnissen. Eine viel klarere Formulierung wäre: „Analysiere diesen Jahresabschluss und identifiziere drei zentrale finanzielle Risiken für die kommenden zwölf Monate.“

2. Kontext und Zielsetzung klar angeben
Da das Modell Zusammenhänge erschliesst, sollte möglichst viel relevante Information im Prompt enthalten sein. Was ist das Ziel? Welche Kriterien sind wichtig? Wer wird die Antwort später nutzen? Je mehr sinnvolle Kontextinformationen enthalten sind, desto besser wird die Schlussfolgerung ausfallen.

3. Keine unnötigen Schritt-für-Schritt-Anweisungen
Ein klassisches GPT-Modell profitiert oft von detaillierten Anweisungen wie „Erkläre es in drei Punkten“ oder „Denke Schritt für Schritt“. Reasoning-Modelle hingegen planen ihre Antworten automatisch und benötigen solche Vorgaben in den meisten Fällen nicht. Eine zu starke Detaillierung kann sogar kontraproduktiv sein.

Fazit

Reasoning-Modelle markieren einen Meilenstein in der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz. Während GPT-Modelle weiterhin wertvolle Werkzeuge für klar definierte Aufgaben bleiben, sind Reasoning-Modelle die richtige Wahl für komplexe Analysen, strategische Planungen und mehrstufige Problemlösungen.

Beitrag teilen:
WEITERE themen

Das könnte dich auch interessieren

Entdecke die faszinierende Welt der künstlichen Intelligenz und tauche ein in unzählige weitere spannende Blogartikel, die dir ein tieferes Verständnis über dieses zukunftsweisende Thema vermitteln!

Zeitverschwendung durch Informationssuche

Zeitverschwendung durch Informationssuche

Wertvolle Arbeitszeit verschwenden, nur um Informationen zu suchen – das ist eine riesige Herausforderung für Unternehmen. Doch es gibt eine Lösung...

Datenschutz bei der Nutzung von Webservices

Datenschutz bei der Nutzung von Webservices

In diesem Artikel erklären wir dir, wie Webservices deine Daten nutzen und wie ShieldGPT Unternehmen hilft, ihre Daten sicher und effizient zu verwalten.

Prompt Engineering Basic Kurs

Prompt Engineering Basic Kurs

In diesem Artikel erfährst du, wie unser Prompt Engineering Basic Kurs dir hilft, bessere Prompts zu erstellen und KI-Assistenten effektiver zu nutzen.

KONTAKT

Lust mit KI das nächste Level zu erreichen?

Wir besprechen gerne weitere Einzelheiten persönlich mit dir, um ein massgeschneidertes Angebot für deinen Bereich zu entwickeln.

Das Team von IntelliLearn: Andrin Knoll, Mattia Müller & Nico Favale